Aron hat Geburtstag

„Aron vom Muldeberg“

...ist am 02.05.2006 11 Jahre alt geworden. Bei bester Gesundheit feiert er heute im Kreise seiner Familie. In all der Zeit hat er sich äußerlich kaum verändert. Lediglich die Haare am Kinn haben sich leicht ins Gräuliche verfärbt und das Aufstehen fällt ihm etwas schwerer Nach dem letzten Winter mussten wir mit dem Beginn der ersten warmen Tage das tägliche Laufpensum halbieren, die Zeit blieb gleich. Ansonsten hat der Alterungsprozess, dem wir ja alle unterliegen noch keine Spuren hinterlassen. Das gepflegte Haarkleid sieht aus wie auf Hochglanz poliert. Zwei schneeweiße Zahnreihen säumen lückenlos Ober- wie Unterkiefer und die ,,Stimme“ ist immer noch kräftig und ohne greisenhafte Heiserkeit.

Fast 9 Jahre leben wir nun schon mit diesem, drücken wir uns mal vorsichtig aus, etwas seltsam gearteten Neufundländer zusammen. So, liebe Bärenfreunde, meine Laudatio möchte ich da beginnen, wo ich in der Ausgabe UB 01.99 geendet habe:

Wie schon dort berichtet, hatten wir Aron mit viel Geduld, Einfühlungsvermögen, sowie bedingungsloser Konsequenz viele Eigenarten abgewöhnt, welche ein harmonisches Zusammenleben unmöglich gemacht hätten. Ein kleiner Prozentsatz war allerdings geblieben, dazu gehörte unter Anderem, dass er am Boden liegend nicht angefasst werden möchte. Ich habe es mal versucht, ein böses Grollen war das Ergebnis. Mit kleinen Kinder kann er rein gar nichts anfangen, die sind ihm zu unstet, zu unberechenbar in ihrer Art und werden sofort bei Erscheinen angebrummt. Die Ladefläche unseres Kombis ist sein Reich. Am Silvestertag 2001 stellte er mir das sehr eindrucksvoll unter Beweis. Aron war aufgesprungen und wartete in sitzender Haltung auf die Fahrt nach Hause. Die 3-stündige Schneewanderung hatte ihn zum Schluss doch ermüdet. Gerade wollte ich die Heckklappe schließen, da entdeckte ich an seiner Brust einen Dornenast, der sich im dichten Fell verfangen hatte. Vorsichtig begann ich den Ast zu lösen und dann geschah alles blitzschnell. Kaum das meine Hand ihn berührte, verspürte ich einen dumpfen Schmerz am Kopf. Aron hatte seinen Kopf mit voller Wucht in mein Gesicht gerammt und dabei mit geöffnetem Maul einen Teil meiner Oberlippe zerfetzt. Den Rest des Tages verbrachte ich in der Notaufnahme der Unfallchirurgie des örtlichen Krankenhauses. Eine kleine Narbe (der behandelnde Arzt hatte sich beim Nähen große Mühe gegeben), erinnert noch heute daran. Auf unsere Stimmung beim darauf folgenden Silvesterabend brauche ich wohl nicht näher einzugehen.

Natürlich wird jetzt jeder denken, dass wir nach diesem Erlebnis gesagt hätten: „Das Maß ist voll, der Hund kommt weg. Zugegeben,daran gedacht haben wir. Aber wo sollte er hin? Wer würde einen solchen Hund übernehmen? Es blieb nur die eine Konsequenz: Einschläfern. Nur das kam für uns auf gar keinen Fall in Frage. Wir berieten uns mit unserem Tierarzt und kamen zu dem Entschluss: Aron bleibt.

Ab jetzt waren wir noch konsequenter in der Unterordnung, noch sensibler bei der Vermeidung von Stresssituationen. Das geht natürlich voll an die Nerven. Vor allen Dingen die ersten Tage nach diesem Vorfall waren hart. Aron war in dieser Zeit sehr unsicher im Umgang mit uns. Immer wieder schaute er vor allen Dingen mich prüfend bzw. fragend an bevor er aus meiner Hand Futter entgegen nahm, oder Anweisungen befolgte. Mir war, als wusste er ganz genau, was er getan hatte und auf welcher Gratwanderung wir uns gerade befanden. Nach ca. einer Woche löste sich dann aber die beiderseitige Verkrampfung, die Bisswunde heilte langsam ab und bald darauf gingen wir zum normalen „Tagesgeschäft“ über.

So weit, so gut verlief alles bis zum Urlaub 2004. Die Ferienwohnung die wir gebucht hatten, entsprach in ihrer Aufteilung keinesfalls unseren Vorstellungen. Es gab nicht eine freie Wand, nicht eine freie Ecke, wohin Aron sich hätte zurückziehen können. Und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Nach einer Wanderung durch die herrliche Voralpenlandschaft des Städtchens Füssen, kamen wir in bester Urlaubslaune zurück in unsere Wohnung. Aron erhielt wie immer sofort ein Schweineohr, welches er ohne Umschweife im Wohnzimmer zu zerlegen begann. Ich hatte mir in der Küche etwas zu trinken geholt, (großes Glas Weizenbier) und wollte nun damit nach draußen auf unsere Terrasse. Auf diesem Weg musste ich an Aron vorbei, bzw. über ihn hinweg steigen. Es gibt einen alten Spruch: Ein Chance besteht aus 10 Faktoren. Sind dir diese alle wohl gesonnen, hast du Glück und nutzt die Chance. Anders herum betrachtet bist du in der nächsten Sekunde das ärmste Schwein auf Erden und hast die Ar... Karte gezogen. Aron, wahrscheinlich im festen Glauben ich wollte ihm sein Schweineohr streitig machen, sprang sofort auf und zeigte mir zwei Reihen strahlend weisser Zähne und zu allem Überfluss, drang ein unangenehmer Unterton aus seiner breiten Brust, der mich an das Brummen eines angreifenden Grizzlybären erinnerte. (Ich hatte so etwas schon mal im TV gesehen).

Liebe Bärenleser, ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass uns nach diesem Erlebnis die Urlaubslaune gründlich verdorben war. Wir brachen unseren Urlaub ab, packten noch am gleichen Abend die Koffer und fuhren am nächsten Morgen nach Hause, eine Woche früher als geplant. Zu Hause in seiner gewohnten Umgebung, mutierte Aron dann wieder zum braven, wohlerwogenen Neufundländer. Und die Moral von der Geschicht: Seit diesem Erlebnis machen wir getrennt Urlaub. Meine Frau und ich, wo es uns gefällt und Aron im Pfötchenhotel zu Hilden. Dort logiert er im Einzelzimmer mit Klimaanlage und Gartenanteil für sich alleine. Ausserdem wird er zwei mal am Tag spazieren geführt. Über die anfallenden Kosten in dieser Nobelherberge möchte in den Mantel des Schweigens hüllen. Unser Wahlspruch lautet: „Hauptsache gesund und zufrieden“

So liebe Bärenleser und nun ist Schluss mit der negativen Kritik, sonst denkt ihr noch allzu schlecht von unserem Hund. Aron hat auch seine guten Seiten, (man muss sich nur die Mühe machen und sie suchen). Eine davon, ist sein Schutztrieb. Besonders wenn meine Frau alleine oder nach Einbruch der Dunkelheit mit ihm unterwegs ist, kommt dieser uneingeschränkt zur Wirkung. Ohne vor zulaufen hält er sich in geringem Abstand bei ihr auf und mustert vorbeilaufende Zeitgenossen mit kritischem Blick. Es ist schon wiederholt vorgekommen, dass Jogger oder Spaziergänger nur nach Uhrzeit oder Weg fragen wollten. Sie kamen nicht dazu. Als ein großer schwarzer Hund ein tiefes, drohendes Brummen hören ließ, zogen sie es vor, in großem Bogen an Frau und Hund vorbeizulaufen. Ja, ja seine Mama liebt er über Alles.

Um nun ein letztes Thema anzusprechen: Nein, wir haben keinen engeren Kontakt zu anderen Menschen sprich: Bekanntenkreis. Die paar Leute, mit denen wir zusammen waren, haben sich im Laufe der Zeit von uns distanziert. Wer einen solchen Hund beherbergt, hat keine Freunde, es sei denn man unterhält Kontakte zu Tierpsychologen oder Raubtierbändigern. Aber wenn ich ehrlich sein soll, muss ich sagen, es stört uns nicht großartig. Wir sind so gesehen frei, haben keine gesellschaftlichen Verpflichtungen und müssen keine auferzwungenen Termine einhalten. Das heißt im Klartext und nun werde ich mal ganz schräg: Kein aufdringlicher Besuch, der sich auf Couch und Sessel räkelt, uns die Ohren blutig quatscht mit Themen, die sonst niemand hören will und zu allem Überfluss Vorräte an Essen und Getränke dezimiert. Nein so etwas gibt es bei uns nicht:

Aron sei Dank.

Ach, da schau her, wenn man vom Teu... äh ich meine Hund spricht, schon kommt er daher. „Was möchtest Du denn mein Schatz? Wie bitte, es ist schon 16.00 Uhr. Was meinst Du, es ist Zeit für unsere Runde? Hast ja Recht, der Papa kommt gleich. Jetzt reg Dich nicht auf, sonst kriegst Du noch einen Herzkasper“. So liebe Bärenfreunde, ihr habt es mitbekommen, mein Untier muss raus. Draußen wartet die Frühlingssonne auf uns, der Garant für eine gemütliche Altherrentour und danach wird gefeiert bis die Schwarte kracht.


ARON HAT GEBURTSTAG TRA-LE-RA-LA-LA



PS: Info für die lanjährigen Leser von UB:

Trixi musste kurz vor Ostern eingeschläfert werden, sie wurde 13 Jahre alt.

Unser Pferd Cassius ist 23 Jahre alt, bei guter Gesundheit und wird regelmäßig geritten.

Remscheid, im Mai 2006

Ulla und Klaus Winter